Zu allen Bildern siehe dringend auch die Begrüssung
Der Stilllegungsplan für den Kohleabau 2018 der Bundesregierung sieht vor, dass 2012 dieser Plan nochmal überprüft wird. Sind keine belastbaren Hinweise für eine Fortsetzung des Kohlebergbaues gegeben, wie ein kostendeckender Kohlepreis z.B., ist 2018 endgültig Schluss mit den Pütts.
Weltweit gibt es Kohle für mehrere 100 Jahre. Die Berechnungen schwanken von Jahr zu Jahr, da sich die Abbauwürdigkeit mit dem Preis der Kohle ändert und auch Kohlevorkommen eingerechnet werden die wohl nie abgebaut werden. Diese werden dann mal rein-/ mal rausgerechnet, und so ändern sich die Zahlen. Mal auch zu ziemlich genau 300 Jahre.
Update Okt.2010. Obig gesagtes stört die EU, die nun schon 2014 Schluss machen will. Da hat man nun in D Probleme mit
a) Zusage 2018
b) die Zeit für die Ansammlung von Geld, was ja damals -Beschlusslage 2007- durch den Börsengang der Evonik( aus Degussa + RAG entstanden) bis 2018 eingesammelt werden sollte. Diese Erlöse sollen die Ewigkeitskosten abdecken.
Update Jan. 2011
obiges hat sich erledigt. Es bleibt wie es angedacht war - bis 2018 wird es noch Zechen geben.
Aber schon jetzt sind die sogenannten " Ewigkeitskosten " immens. Was sind Ewigkeitskosten?
Schon mal den Begriff Bergschäden, also Senkungen des Erdreiches die Gebäude schädigen, gehört? Das ist ein Teil der Ewigkeitskosten. Diese Bergschäden werden nicht automatisch 2018 aufhören. Dazu das Grubenwasser; so ein offener Pütt säuft ab, läuft voller Grundwasser, wenn nicht dauernd abgepumpt wird.
Die Verfüllung der Schächte dagegen ist auch nicht kostenlos. Die Kultivierung der ehemaligen Betriebsgelände auch nicht. Ob nun Fördertürme einfach stehen bleiben, sie kosten Geld, oder der Abriss - der auch. Nicht umsonst kümmern sich einige beherzte Menschen um diese ( meist ) Statik-Probleme, wenn sie denn denkmalschutzwürdig stehen bleiben dürfen. Da muss auch schon mal ein neuer Anstrich her, oder eine neue Prüfung.
(1).jpg)  Der ist höher als er Abstand zu den nächsten Häusern. Ist er standsicher auch bei Windstärke xy??
Nicht schlussendlich, aber wichtig : das leichtentzündbare Grubengas Methan sucht sich seinen Weg nach oben. Auch in den Kellern der ehemaligen Kolonnien. Deshalb reichte die Verfüllung der Schächte nicht aus, wie man früher dachte. Es wird z.B. durch die Fa. Minegas stellenweise abgesaugt und der Verwertung zugeführt. Ob kostendeckend oder nicht...... es muss gemacht werden.
Aber auch verfüllte Schächte am Ort des ehemaligen Schachtes müssen gegen erdnahes Austreten von Methan abgesichert werden.
Das sind sog. Protego - armaturen.(Firmenname)
Das sind feuerverhindernde, auch feuerrückschlaghindernde Armaturen, die auch gegen Missbrauch höhergesetzt sind.
Zu den "Ewigkeitskosten" gehören auch schon die erwähnten Rekultivierungs- Entsorgungsmassnahmen, die oft erst noch erbracht werden müssen. Wie hier

oder hier
noch krasser hier
, Bild unten

Es sind die 2 grossen Nebengewerbe
1. Kokerei - die Koks als eigentlichen kaufmännischen Grund für Eisenhütten, aber auch organische Stoffe wie Benzol, Toluol ect. und anorganische wie Ammoniak oder Schwefelsäure als Nebenprodukte.
2. Ziegelei - aus dem tauben Gestein (sog. Berge), was mit der Kohle gefördert und davon getrennt werden musste, stellte man in Ringöfen aus dem gemahlenen Gestein Steine her. Diese Ringöfen sind -bis auf einen- m.W. alle schon in den 50er Jahren abgerissen worden. Solcher Art macht auch keine Ewigkeitskosten mehr. Vom Stoff und Verarbeitung her.
Schlimmer sind die org. Nebenprodukte.
Man ist früher mit Teer, Benzol u.ä. Gefahrstoffen sorgloser umgegangen, auch weil man das Gefährdungspotential nicht kannte was in den Stoffen steckt. Aber noch Anfang der 60er Jahre wusch man sich mit Benzol oder Tetra ( Abkürzung für ein heute nicht mehr gebräuchliches Lösemittel) die öligen, fettigen oder teerigen Hände, obwohl man es da schon eigentlich besser wusste. Wer Arbeitshandschuhe bei bestimmten Arbeiten trug wurde häufig als "Schönling, der sich die Hände nicht schmutzig machen will" eingestuft. Die ersten sichtbaren Folgen waren Ekzeme der Haut. Versehentlich ins Erdreich gesickert war es eben auch "weg". So etwa ging es bis anfang der 60er Jahre.
Gebäude einer ehemaligen Benzolfabrik. Heute Industriegebiet.
Oben auch ein Objekt was sicherlich nicht einfach abgerissen werden kann ohne die genannten Kosten. Vermutlich ist das Gebäude samt Bodenreich irgendwann einmal Sondermüll. Altlasten nennt man das was von den Zechen und Industrien zurückgelassen wurde. Sie kommen zu den Ewigkeitskosten hinzu.
Ehemalige Kokereien, Teerfabrikationen, Chemiebetriebe ect. sind da besonders betroffen, weniger der Schachtbereich mit den Fördertürmen.
Oder lang stillgelegte Zechen mit gleichzeitig kurzer Betriebsdauer. Wie die Zeche Baldur in Dorsten, schon in den 30ern stillgelegt und von da an weiter industriell genutzt
,Zeche Baldur, Dorsten. Altes Betriebsgebäude.
ehemalige Kohlenwäsche Zeche Baldur, als Lager genutzt.
Warum haben fast alle Zechen 2 oder gar mehrere Fördertürme/ Schächte gehabt?
1881 kam ein neues Berggesetz mit der Auflage nur noch min. 2 Fördertürme als Bergwerk zu akzeptieren. Unfälle gaben den Ausschlag. Man kann sich vorstellen welche Unfälle es waren - man kam nicht mehr an die Eingeschlossenen dran, ohne neu zu bohren etwa.
Wetterführung
Der bergmännische Begriff "Wetter" sagt etwas über das Klima unter Tage aus. Ein-/ Ausziehschächte - so wie dieser hier - sorgten für kühlere Temperaturen, für Sauerstoff zum Atmen, aber auch zur Verdünnung der schädlichen Gase wie Methan, das Grubengas, unterhalb der Explosionsgrenze. Wie geschickt nun die Zu-/ Abfuhr der Luft war, sprach man von guter oder schlechter Wetterführung.
Halden : ein Begriff mit 2 Deutungen. a) Bergehalde = der Gesteinsabraum der bei der Kohlegewinnung mit anfällt.
b) Kohlehalde = zwischengelagerte Kohle die nicht verkauft werden konnte; also Überproduktionen.
Feierschichten, ein Arbeitsausfall um die Kohleförderung natürlich zu drücken, waren die Folge.
Zechenschliessungen
gab es früher auch schon. Sei es durch Erschöpfung des Grubenfeldes oder durch wirtschaftliche Notwendigkeiten. Es gab einige Zechen die förderten fast nur für den Hausbrand, also für den heimischen Herd. Kleine, sogar Kleinstzechen, gab es. Noch ende der 1970er Jahren gab es Zechen mit weniger als 100 Mann Belegschaft.
Die erste Krise war wohl die Nachkriegskrise des 1. Weltkrieges. Weltwirtschaftskrise , Billigimporte und die gefallenen ehemaligen Facharbeiter, sprich Hauer fehlten auch. Die Fördermengen gingen eben aus Facharbeitermangel zurück, die ungelernten konnten nicht den Erwartungen Folge leisten. Eine geregelte Berufsausbildung gab es etwas später. Folge war eine Maschinisierung unter Tage und Schliessung unrentabler Betriebstätten.
Die 2. Krise kam ende der 50er Jahre. 1956 war das Jahr der grössten, jemals erzielten Kohleförderung, von da an wurde es weniger. Da fing das bis heute andauernde Massensterben an, die ersten grossen Kohlehalden türmten sich auf. Gründe hierfür waren hauptsächlich die andere Energiepolitik der Bundesregierung und gestiegene Kohlepreise nebst Billigimporten. Es gab Stilllegungsprämien in den 60ern, die noch zur Verschärfung führten. Bergleute gingen - wie in den 1959er jahren - auf die Strasse und protestierten gegen die z.T. unlogischen Schliessungsplänen der RAG bzw. HIBERNIA.
Spätestens ab etwa 1968 wusste wohl jeder Bergmann, dass er nur mit Glück hier, auf seinem Pütt, in Rente gehen kann. Ausnahmen bestätigen diese Regel. Mein Schwiegervater war von seiner Knappenlehre bis zur "Anpassung"( eine Art Vorrente) 1991 auf Westerholt ununterbrochen beschäftigt.
Andere mussten seit 1959 4 - 6x die Zechen wechseln; zur falschen Zeit am falschen Ort, oder so ähnlich. Glück, Zufall spielten dabei eine Rolle.
Wiederanfahrt
Man muss sich von der Vorstellung trennen das selbst die Schächte, welche nicht verfüllt sind, eines Tages - bei Energieknappheit z.B.- problemlos wieder in Betrieb zu nehmen wären. Vergisst es. Einmal abgesoffen, nie mehr betretbar. Bei all den Diskussionen über eine gewisse Vorhaltung an heimischen Energiereserven, ist spätestens Schluss, wenn die Frage nach den Kosten für diese Art Vorhaltung auftaucht.
Berechnungen, wonach man schon vor 30 Jahren alle Pütts hätte schliessen können, tun ihres dabei. Denn es wäre den Berechnungen nach billiger die Bergleute nach Hause, bei gleichem Lohn zu schicken + den Bergbau einzustampfen. Grund waren die immensen Subventionen verteilt auf die Kopfzahl aller Bergleute. Rein rechnerisch war das ok.
Das 1 Bergmann zu Hause einen Mittelständer über Tage als Zulieferer mitzieht, sind natürlich nicht dabei berücksichtigt worden.
Nicht umsonst - aber auch nicht kostenlos - wird der Bergbau seit nunmehr 40 Jahren langsam beendet. Ein eher schlagartiges Ende, etwa nach 20 Jahren - die ursprüngliche Forderung einer gewissen Partei- hätte wohl in einem Chaos geendet.
Neu bohren??? 
Schlussendlich kann man wohl sagen, dass, wenn man sich entschliessen sollte doch noch eine Zeche zu eröffnen, diese neu abgeteuft( bergm.: neu bohren) werden wird. Man wird sich der alten Standorte nicht bedienen.
Kohlekraftwerke
Das Thema ist DAS Streitobjekt für diejenigen die keine Atomkraft wollen, "grüne" Energie nicht als geeignet empfinden und fossile Energie ablehnen. Tja, die gibt's.
Man muss eins festhalten. Der Gebrauch heimischer Energie macht unabhängiger. Ob nun Verträge mit x oder Staat y geschlossen wurden, die Geschichte lehrt uns das 50% der Verträge zum Brechen dieser auffordern oder als Drohung benutzt werden.
Zum anderen nur soviel. Jedes Kohlekraftwerk erzeugt CO2. Aber jedes neu gebaute, wofür ein altes abgeschaltet wird, erzeugt weniger CO2 in Summe. Alte KKW haben Wirkungsgrade von 25 - max.38 %. Neue deutlich mehr.
Und wer garantiert uns billige Importkohle, wenn die Exportländer vielleicht nur darauf warten bis wir keine Zechen mehr haben und dann die Preise erhöhen?
So kommt es, dass dann gesagt wird: " dann lass uns doch ein oder mehrere Zechen erhalten, für den Fall aller Fälle"
Tischt man die Kosten dafür auf, so wird schnell gesagt: " neee, lieber doch nicht"
Darum ist eben 2018 Schluss.
KOKEREI:
Die Koksherstellung war ein einträgliches Geschäft trotz der aufwenigen Umwandlung, Ausgasung der Kohle unter Luftabschluss bei sehr hohen Temperaturen zu Koks zu verarbeiten. Und nicht jede Kohle eignet sich zur Koksherstellung.
Koks wurde vor allem von der Stahlindustrie zur Erzschmelze gebraucht.
Es fielen dabei auch gewünschte wie unerwünschte Nebenprodukte an. Benzol war z.B. ein Stoff der Anfang der 1900 Jahre zu Benzolloks, also Loks mit Verbrennungsmotoren auf Benzolbasis, in Gruben führte. Die Nachfrage nach benzinähnlichen Kraftstoffen war noch nicht da, aber Benzol fiel als Überschuss trotzdem an. Im 1. Weltkrieg änderte sich das.
Sogar bis in die 1960er jahre wurde sog. Kokereiablauf( u.a. Benzol u.ä. Stoffe) dem Fahrbenzin zugesetzt.
Unteres Bild zeigt eine Koksofenbatterie; Zollverein

Die letzte mir bekannte aktive Kokerei ist in Bottrop, Prosper Haniel.
Sie kam kürzlich in den Schlagzeilen, weil der Weltmarktpreis von Koks stark stieg; China kaufte alles auf was auf dem Weltmarkt an Koks und Kohle zu bekommen war. Grund war das rasante Wirtschaftswachstum Chinas.
Und plötzlich waren Kokereien wieder rentabel, sogar gewinnbringend. Auch Prosper-Haniel.
Da riefen manche doch lauthals ihr Unverständniss über Schliessungen und Abwrackungen alter Kokereien aus, wenn man doch jetzt richtig verdienen könne.
Mein Eindruck war, dass es NICHT die Selbigen waren, die vorher auch gegen Schliessungen waren. Es waren die allseits bekannten "Hinterher-besserwisser".
Sie hätten Jahre zuvor niemals eine Bereitschaft der Zechen oder/und Kokereien aus Kostengründen zugestimmt.
Bevölkerung:
Der berühmte Schmelztiegel von Nationen und Volksgruppen fand hier statt; hier im Ruhrgebiet. Man muss sich mal vorstellen was in den 1850 - 1900er Jahren hier los war. Da schossen Zechen mehr als Pilze aus den Boden, wobei eine Zeche so im Durchschnitt 1000 - 2000 Arbeiter brauchte. Mit Familie gerechnet etwa x 5 heisst Wohnungsbau im gleichen Ausmass. Das Revier war damals eine einzige Baustelle die aber auch Arbeit, Geld und Brot brachte.
Das dieses geplante Soll an Arbeitern Einzugsbereiche aus ganz Deutschland hatte ist wohl unschwer abzuschätzen. Die Menschen der Region als solches waren schnell unter Tage anzutreffen, aber das reichte nicht.
Später kamen noch die sog. Gastarbeiter aus halb Europa hinzu.
Nur, der eigentliche "Kohlenpottslang" entstand schon viel früher. Mit polnischen, böhmischen, schlesischen und sogar rotwelschen( Gaunergeheimsprache), plattdeutschen Dialekten gemischter Wortlaut und singsang wurde anfang der 1900er Jahre geboren . Der schlicht verweigerte Umgang mit dem Genitiv hatte wohl hier seinen Ausgang.
"Der Genitiv ist dem Dativ sein Feind" ist ein Buchtitel und trifft es voll. "Gib' mich mal den Moteck.." "Hömma,tue mich mal datt Streichholz geben tun" war Umgangssprache , die aber (leider?) immer weniger zu hören ist. Aber "Hömma, datt und watt" gibt es noch zuhauf.
Aber das kumpelhafte blieb bis heute. Erst das "Du", nicht das "Sie" ist ein Teil davon.
19709
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